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  Ellison Sandra
  Humoreske
 

 

Der Regentropfen

 
       Bevor er sich auf den Weg zu seiner Arbeitsstelle machte, schaute der Ingenieur Jefremow wie gewöhnlich aus dem Fenster. Trotz des trüben Wetters kam er zu der Überzeugung, dass es ein schöner Tag werden würde. So sagte es ihm seine Vorahnung.
       Eine bekannte Melodie summend, war er gerade aus der Tür des mehrstöckigen Wohnhauses getreten, als ein schwerer Regentropfen auf seine Nase platschte und auf seinen Brillengläsern zerstob. Nun war die Laune für den ganzen Tag verdorben. Seine Frau hatte schon den ganzen Morgen darauf bestanden, einen Schirm mitzunehmen. Weil er aber den Wettervorhersagen nicht mehr glaubte, hatte er nicht auf sie gehört.
 
       Als er gerade nach seinem Taschentuch suchte und eine Verwünschung an die Adresse der trägen Hausmeister loslassen wollte, rutschte er plötzlich aus und fiel schmerzhaft auf seine Kehrseite, die Beine in die Höhe. “Das hat mir heute gerade noch gefehlt”, stöhnte er und stützte sich mit den Ellenbogen auf den feuchten, kalten Beton, um sich aufzurichten.. Aber es ging nicht.
 
       Da kam sein enger Freund, Jegor Dmitrijewitsch, ein kräftig gebauter Zahnarzt, aus der Tür. Dieser immer beschäftigte Mensch hatte ein andauerndes kleines Problem. Er hatte nie Zeit, sich neue Hosenträger zu kaufen und die alten, schon völlig ausgeleierten, endlich wegzuwerfen.
 
       Als er den hilflos auf den Betonplatten liegenden Ingenieur sah, wollte er ihm zu Hilfe eilen, bemerkte dabei jedoch nicht, dass sich seine Hosenträger verräterisch gelöst hatten und seine Hose unaufhaltsam hinunter rutschte. In diesem Moment rutschte er selbst aus und fiel mit seinem ganzen Gewicht auf den hageren Jefremow.
 
       Der schrie vor Schmerz auf. “Oh, mein Rücken !” Ihm wurde schwarz vor Augen, er stöhnte und wurde bewusstlos.
 
       “Oh, Jegor, ist dir schlecht unter mir ?” rief der Doktor mitfühlend.
 
       In so einem unpassenden Moment musste nun gerade die Nachbarin, Agrippina Afanasjewa, mit ihrem Spüleimer erscheinen. Als sie die Männer erblickte, die aufeinander lagen, und noch dazu mit heruntergelassenen Hosen, fing sie an zu zetern: “Ach, Ihr verfluchten Wüstlinge, und noch in aller Öffentlichkeit betreibt Ihr Eure Schweinerein !? Da habe ich aber für Euch stinkende Hunde ein Geschenk bereit”, rief sie und schüttete den Inhalt des Spüleimers direkt über die Männer aus.
       Auf ihr Geschrei öffnete eine Nachbarin aus der dritten Etage, Awdotja Petrowna, das Fenster. Als sie das schlimme Bild erblickte, heulte sie wie eine Sirene los: “Miliiiz !!  Waaache !” und brachte damit alle Bewohner des Hauses auf die Beine.
       Frau Koslowa, die in dem Stockwerk unter dem Ingenieur Jefremow wohnte, kam gerade mit Einkäufen nach Hause. Als sie die Männer in dieser Stellung sah, fing sie an zu schimpfen: “So ist das also ! Ich habe schon lange gemerkt, dass zwischen diesen Männern verdächtige Beziehungen bestehen. Jetzt ist alles klar: Man sieht es, der Zahnarzt lebt allein, aber er hat sich mit den Jefremows angefreundet. Schämt Ihr Euch denn nicht ? “
 
       Durch das Geschrei der Frauen hatte sich neben dem Hauseingang eine Menge Neugieriger versammelt. Einige lachten, andere schimpften, sogar mit Kraftausdrücken.. “Das bringt die heutige Erziehung: Haben im Fernsehen allen Dreck gesehen und können nicht mal auf der Straße ihre Instinkte zurückhalten, und das vor allen Leuten ! Und dabei sind beide schon über vierzig ! “
       “Mein Gott, was tut sich bloß in unserer sündigen Welt, es gibt keine Ehrfurcht mehr vor Gott, “ seufzte eine allein stehende alte Frau..
 
       Endlich kam ein Milizionär herzu. Er schob die Neugierigen auseinander, begriff sofort den Sachverhalt und meinte “Ein Unfall ! “ Dann rief er den Krankenwagen.
 
       Der Ingenieur Jefremow und der Zahnarzt Jegor Dmitrijewitsch wachten im Krankenhaus unter Verbänden auf. Bei Jefremow hatte man einen Schaden der Wirbelsäule und einen Bruch des rechten Handgelenks festgestellt. Bei dem Zahnarzt war der rechte Hüftknochen gebrochen und er hatte eine starke Gehirnerschütterung..
 
       Als sie die Augen öffneten, erblickten sie eine Menge Besucher, ihre Nachbarn, die gekommen waren um sich zu entschuldigen.
 
       Mit einem gequälten Lächeln auf dem Gesicht sprach Jefremow mit schwacher Stimme: “Alle Tropfen sind nur Tropfen, aber dieser eine war wie ein Ziegelstein !”
 

 

 

 

 
 
 
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